1401 flachsindustrie in belgien








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1403

BERNSTEIN - “Das deutsche Gold”

AMBRA – L’oro tedesco

AMBRE . L’or allemand

Vorderseite - Fronte - Côté antérieur

1) BERNSTEIN - “Das deutsche Gold”

2) BERNSTEIN - “Das deutsche Gold”

3) BERNSTEIN - “Das deutsche Gold”

4) BERNSTEIN - “Das deutsche Gold”

5) BERNSTEIN - “Das deutsche Gold”

6) BERNSTEIN - “Das deutsche Gold”

Rückseite - Retro - Verso

Bild 1: Die Bernsteinküste bei Palmnicken.

Zu Beginn der Tertiärzeit, vor etwa 50 - 80 Millionen Jahren, erstreckten sich über das heute von der Ostsee bedeckte Gebiet weite und dichte Wälder. Hier herrschte ein viel wärmeres Klima als heute, und so konnte sich eine üppige, fremdartige Pflanzenwelt entwickeln. Von den Bäumen, die heute in Deutschland zumeist unbekannt sind, interessiert besonders die Pinites succinifer, denn sie wird als der eigentliche Bernsteinbaum angesehen. Unter der Glut der tropischen Sonne entquoll den Stämmen des Bernsteinbaumes der goldene Saft. Insekten und andere Kleintiere, die sich, angezogen durch den Duft und das Leuchten, auf das Harz niederliβen. wurden von der zähen Masse festgehalten; der nächste herniederfallende Tropfen umhüllte und bewahrte ihren Körper unversehrt bis auf den heutigen Tag. Auf die gleiche Weise blieben auch Blätter und Ästchen der Nachbarbäume, Moose, Kräuter und kleine Bodenpflanzen erhalten und geben der Wissenschaft Kunde von der Pflanzenwelt einer langst versunkenen Zeit. Groβe Naturkatastrophen senkten die Oberfläche des Landes und gaben Raum für das mit Gewalt einstromende Meer. Tiere und Bäume vermoderten; das Harz aber blieb erhalten. Es wurde fortgeschwemmt und an der Küste Ostpreuβens abgelagert. Der meiste Bernstein ist in der "blauen Erde" eingeschlossen, die aus Tonschichten besteht und durch ein grünliches Mineral, den Glaukonit, ihre eigenartige Färbung erhält.

Bild 2: Riesige Bägger räumen das Deckgebirge ab und legen die "blaue Erde" frei, in der sich der meiste Bernstein befindet.

Die "blaue Erde" hat eine "Mächtigkeit" von durchweg 6 - 7 m. in friedlicher Eintracht beherbergt sie den Bernstein neben Haifisch- und Saurierzähnen, Seekrabbenresten, Muscheln und Seeigeln - den Uberbleibseln damaliger Meeresbewohner. Das Gebiet der "blauen Erde" umfaβt viele hundert Quadratkilometer. Die Schicht ist der Küste vorgelagert, sie reicht aber auch weit in das Samland hinein. Hier liegt sie unter einer 35 - 40 m starken Decke jungerer Erdschichten, die sich bis an den Strand heranschieben und die berühmte Steilküste bilden. An der Küste selbst fällt der Meeresboden allmählich ab, sodaβ die Blaue-Erdeschicht hier den Boden des Meeres bildet. Wenn nun die Herbststürme Meer und Meeresboden aufwühlen, werden die Bernsteinstücke aus der "blauen Erde" herausgespült und mit Algen und anderen Pflanzen an den Strand geworfen. An solchen Herbsttagen sieht man - wie vor Jahrtausenden - die Strandbewohner mit groβen, langstieligen Netzen eine Strecke ins Meer hineinwaten, den herantreibenden Tang auffangen und ihn am Strand nach Bernstein untersuchen. In einer stürmischen Herbstnacht des Jahres 1862 wurden in der Gegend bei Palmnicken 2000 kg Bernstein gefischt. Das ist bisher die gröβe Ausbeute einer einzigen Nacht gewesen.

Bild 3: Die "blaue Erde" wird auf Rosten durch starke Wasserstrahlen aufgelöst und fortgeschwemmt. Der Bernstein selbst bleibt auf den Rosten liegen.

Bernstein, niederdeutsch börnen = brennen, also Brennstein, ist eines der ältesten Kulturgüter. Man fand ihn sowohl bei Ausgrabungen in jungsteinzeitlichen Siedlungen als auch in den Königsgräbern Mykenas (Griechenland). Auch im alten Rom stand Bernstein in hohem Ansehen. Man sprach ihm Heilkräfte zu. Als der griechische Philosoph Thales (640 v. Z.) seine magnetischen Eigenschaften entdeckte, umgab ihn gar der Nimbus des Wunderbaren. Dennoch erkannten einzelne griechische Gelehrte, daβ es sich um ein Baumharz handeln müsse, aber erst Mitte des vergangenen Jahrhunderts wurde diese Vermutung wissenschaftlich bestätigt. - Im Anfang des Handelsverkehrs der alten Welt wird Bernstein als Tauschobjekt hochgeschätzt. Alexander von Humboldt bezeichnet den Bernstein als den Vater des germanischen Handels. In alter Zeit war das Bernsteinsammeln jedem erlaubt. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts nahmen aber die pommerellischen Herzöge mit dem Bernsteinregal alle Hoheitsrechte an der Gewinnung und Bearbeitung für sich in Anspruch. Dieses Bernsteinregal übernahm später der Deutsche Ritterorden. Es wurde zuerst unmittelbar durch den Orden ausgewertet. Die Strandbewohner müβten den Bernstein sammeln; als Lohn empfingen sie Salz und später Geld. Bernsteindiebstahl wurde schwer bestraft. Meistens verhängte das Bernsteingericht die Todestrafe.

Bild 4: Bernstein-Fellerei; hier werden Schmuckstücke an Drehscheiben gefeilt und poliert.

Auch heute ist jeder, der Bernstein findet, verpflichtet, ihn an die amtlichen Sammelstellen abzuliefern. - Zur Zeit des Ritterordens war die Verarbeitung des Bernsteins im Bereich des Ordenslandes verboten. Bernstein war nur Ausfuhrware. Anfang des 14. Jahrhunderts entstand in Brugge eine Zunft der Paternostermacher, die sich hauptsächlich mit der Verarbeitung des Bernsteins zu Rosenkranzen usw. befaβte. Erst Ende des 15. Jahrhunderts wurde das Verbot der Ansiedlung von Bernsteindrehern aufgehoben und in Danzig eine Bernsteindreherzunft gegründet, der bald solche in Lubeck, Stolp, Elbing und vor allem in Königsberg selbst folgten. In wenigen Jahrzehnten erreichte dieses Handwerk eine groβe Blüte. Viele Bernsteinarbeiten aus dieser Zeit erwecken noch heute gröβte Bewunderung. Im Museum für Naturkunde in Berlin wird das gröβte Bernsteinstück aller Zeiten aufbewahrt; es hat ein Gewicht von 6.750 Gramm. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man in den Uferbergen des Samlandes nach Bernstein zu graben. Etwa 50 Jahre später nahm die bergmännische Gewinnung ihren Anfang, die bis 1913 unter Tage und seitdem im Tagebau betrieben wird. 1899 ist das Recht der Bernsteingewinnung auf die Bernsteinwerke in Königsberg als Vertreterin des preuβischen Staates übergegangen, denen als verarbeitender Betrieb die Staatliche Bernstein-Manufaktur Königsberg zur Seite gestellt wurde.

Bild 5: Die Bernstein-Kogge; in den Werkstätten der Staatlichen Bernstein-Manufaktur Königsberg in 3 Jahren völlig aus Naturbernstein hergestellt.

In den Tagebau-Gruben bei Palmnicken wird heute der meiste Bernstein gefunden. Riesige Bägger tragen das Deckgebirge ab und legen die "blaue Erde" frei. Diese wird zur Wäscherei befördert, auf groβe Roste gekippt und durch starke Wasserstrahlen in eine brelige Masse aufgelöst. Die Erde flieβt durch die Roste ab, und der Bernstein wird zurückgehalten. - In Palmnicken können bei Ausnutzung aller vorhandenen Einrichtungen jährlich über 3 Millionen Kubikmeter Erde bewegt und fast 700.000 kg Bernstein gewonnen werden. Allerdings besteht der groβte Teil aus kleinen, unreinen und daher unbrauchbaren Stücken und nur 1/5 der Ausbeute kann zu Schmuck usw. verarbeitet werden. Dieser Bernstein wird nach Form, Farbe und Groβe sortiert. Dabei unterscheidet man 120 verschiedene Sorten. Chemisch betrachtet ist Bernstein ein Gemisch harziger Substanzen. Seine Farbe ist daher ähnlich der des Kiefernharzes, oft hellgelb, durchsichtig mit verschiedenen Tönungen. Viele Bernsteinsorten sind dagegen milchig trube oder von hellen Adern und Wolken durchzogen. Andere wiederum weisen zahlreiche Verschiedenheiten in der Färbung auf, die fast weiβ, honigfarben, bräunlich oder sogar bläulich sein kann. Als gröβte Seltenheit gilt Bernstein von eisklarer, fast grünlicher Färbung.

Bild 6 : Im Bernsteinladen. Schmuck und Kunstgewerbe aus Bernstein, Deutschlands ältestem Kulturgut, Deutschlands edelstem Schmuck.

Die mannigfaltigen Töne und Färbungen des Bernsteins, seine leichte Verarbeitungsmöglichkeit, vor allem aber die Atmosphäre des Geheimnisvollen, die den Stein auch heute noch umgibt, haben ihm im Schmuck- und Kunstgewerbe einen hervorragenden Platz gesichert. Die für die Verarbeitung geeigneten Stücke kommen zur Staatlichen Bernstein-Manufaktur nach Königsberg. In den Werkstätten der Manufaktur werden die rohen Stücke zunächst zersägt und behackt ("geklövt") und dann in die Hände kunstgewerblich geschülter Arbeiter und Arbeiterinnen gegeben. Hier verleiht die Kunstlerhand dem goldenen Stein immer neue Gestalt. Es entstehen herrlich geschliffene Ketten und goldglänzender Armschmuck, Halsbänder, deren glattgeschliffene Perlen dunkelbraun und doch durchsichtig schimmern, schöne kunstgewerbliche Dinge, Zigarettenetuis, Bernsteinschalen, Schnitzereien, kleine Reiseandenken und groβe Staatspreise. Denn reich und mannigfaltig wie die Töne und Farben des Bernsteins sind die Möglichkeiten seiner Verarbeitung, und weil jeder Mitarbeiter in der Staatlichen Bernstein-Manufaktur sich des Wertes dieses ältesten deutschen Kulturgutes bewuβt ist, hat auch der Bernsteinschmuck etwas von unvergänglicher Schönheit an sich. Er ist ein Schmuck für Generationen.
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